Marrakesch


Marrakesch
Mạrrakesch,
 
französisch Marrakech [mara'kɛʃ], viertgrößte Stadt von Marokko, in der Ebene Haouz am Nordfuß des Hohen Atlas, 465 m über dem Meeresspiegel, 680 200 Einwohner. Marrakesch liegt in einer 135 km2 großen ehemaligen Dattelpalmenoase, ist Handelszentrum eines landwirtschaftlichen Einzugsbereiches bis weit in den Hohen Atlas und eine der Residenzstädte (»Königsstädte«) der marokkanischen Sultane, in der auch der heutige König zeitweise residiert; Universität (gegründet 1978); Obst- und Gemüsekonservenindustrie, Milchhof, Ölmühle, Zementfabrik, Herstellung von Teppichen und Saffianlederarbeiten, vielfältiges Kunsthandwerk, große Basare. Nach Agadir wichtigstes Zentrum des Fremdenverkehrs, Kongressstadt und berberische Metropole des Südens; Bahnendpunkt, internationaler Flughafen.
 
 
Marrakesch ist gegliedert in die traditionelle ummauerte Medina (Altstadt) mit dem Platz Djemaa el-Fna, an die sich die jeweils ummauerten Komplexe Kasba, Dar el-Makhzen (Königspalast), Mechouar (Empfangshöfe) und Agdal (Sultansgärten) anschließen, räumlich davon getrennt die kolonialzeitliche Europäerstadt (»Gueliz«) und die Außenzone mit modernen Wohn-, Industrie- und Gewerbevierteln. Die Medina ist von einer 12 km langen Stampflehmmauer (bis 9 m hoch) mit auskragenden Türmen umgeben, davon 9 km 1126/27 erbaut. Die gegen 1158 vollendete 17-schiffige Kutubija-Moschee, eine der größten des westlichen Islam, gilt als Meisterwerk maurischer Baukunst: Mihrab mit prachtvollem Rahmenwerk (Alfiz); monumentaler Minbar (Anfang 13. Jahrhundert in Córdoba gefertigt) mit Elfenbein- und Edelholzschnitzwerk. Das quadratische Hausteinminarett (vor 1158-96) mit bereitbarer Rampe um sechs übereinander liegende prächtige Innenräume hat reichen Baudekor und ist Vorbild der Minarette von Rabat und Sevilla. In der weitläufigen dreiteiligen Almohaden-Kasba (1185-90) liegen der Königspalast und die Kasba-Moschee (nach 1569 erneuert) mit 80 m langer Zinnenfassade. Die in der Medina um die Mitte des 14. Jahrhunderts von den Meriniden gegründete Ben-Jusuf-Medrese wurde 1564/65 zur größten des Maghreb ausgebaut (reicher Stuck-, Marmor- und Edelholzdekor, marmornes Reinigungsbecken aus Córdoba). Die Saditen-Mausoleen (1578-1603 ausgebaut, seit 1917 restauriert) sind Meisterwerke maurischen Innendekors (Stalaktitenkuppeln, Lambrequin- und Mukarnasbögen, gebauchte Marmorsäulen, Stuckarabesken, bemalte vergoldete Zedernholzdecken). Viele Wohnpaläste im maurisch-andalusischen Stil mit Innengärten, u. a. Dar Si Said (Ende 19. Jahrhundert), heute Museum für marokkanische Kunst, und das Luxushotel Mamounia (1922/23 erbaut, 1978 und 1986 renoviert und erweitert). Die schönsten Beispiele maghrebinischer Gartenbaukunst sind die von den Almohaden angelegten Königsgärten Agdal (3,5 km × 1,5 km), Inan Roudan und der Menaragarten. Von den zahlreichen Monumentaltoren sind die almohad. Schmucktore Bab Agnaou (zwischen 1185 und 1190) und Bab er-Robb (zwischen 1184 und 1199) besonders reich gestaltet. Der stets belebte Platz Djemaa el-Fna, etwa 200 m × 200 m, dient u. a. als Marktplatz. Die UNESCO erklärte die Altstadt von Marrakesch zum Weltkulturerbe.
 
 
Marrakesch (ältere Form Marrukuš, daraus über portugiesisch Marocos, spanisch Marruecos der Staatsname Marokko) wurde nach traditioneller Überlieferung 1062, tatsächlich wohl erst 1070 als Hauptstadt des entstehenden Reichs der Almoraviden gegründet.

Universal-Lexikon. 2012.

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